28.06.2009
Hardehausen, 28. Juni 2009. Bei der traditionellen Sommer-Diözesanversammlung des BDKJ-Diözesanverbands Paderborn wählten die Delegierten Lars Hofnagel einstimmig zum neuen Diöze-sanseelsorger. Der bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) verbandlich beheimatete Hof-nagel tritt damit die Nachfolge von BDKJ-Diözesanseelsorger Andreas Neuser an, der zuvor sechs Jahre das Amt bekleidete. Weitere Höhepunkte der Konferenz waren der Besuch des Erzbischofs Hans-Josef Becker, sowie der Rückblick und die Bewertung der erfolgreich abgeschlossenen 72-Stunden-Aktion.
„Andere befähigen, Glauben zu gestalten“Bevor es zum eigentlichen Wahlakt des neuen BDKJ-Diözesanseelsorgers kam, stellte der als einziger Kandidat nominierte Lars Hofnagel sich den Delegierten vor. Dabei gab der 39-jährige zunächst einen Abriss seines verbandlichen Werdegangs. In diesem Zusammenhang hob er insbesondere den diöze-sanübergreifenden Ausbildungskurs „Geistliche Verbandsleitung“ hervor, bei dem die Teilnehmer ihren Glauben vertiefen und der Frage nachgehen, wie sich in leitender Funktion geistliche Impulse setzen lassen. Hofnagel unterstrich, dass dieser Austausch eine enorme persönliche Bereicherung gewesen sei und er diese als Motivation für kommende Herausforderungen sähe. So offerierte er den Delegierten vor seiner Wahl einen möglichen Arbeitsschwerpunkt: „Bei Anderen Fähigkeiten zu heben, damit sie ihr spirituelles Leben in einer Ortsgruppe selbst aktiv gestalten – dieser Aufgabe möchte mich annehmen.“ Hofnagel überzeugte – die Versammlung wählte ihn mit einem überzeugenden Ergebnis einstimmig zum neuen BDKJ-Diözesanseelsorger.
Zuvor war Lars Hofnagel Diözesankurat bei der DPSG. Gleichzeitig war und ist er nach wie vor als Pfarrer bei der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Paderborn tätig.
„Gelebte Verkündigung der frohen Botschaft Jesu Christi“Nach der Wahl des neuen BDKJ-Diözesanseelsorgers stand der Besuch von Erzbischof Hans-Josef Becker auf dem Programm. Erstmalig in seiner sechsjährigen Amtszeit stattete der Paderborner Wür-denträger der BDKJ-Diözesanversammlung einen Besuch ab. Als Gast der Konferenz erlebte er den Rückblick auf die 72-Stunden-Aktion und zog im Anschluss daran sein ganz persönliches Fazit: „Euer und das Engagement aller an der Aktion Beteiligten ist gelebte Verkündigung der frohen Botschaft Jesu Christi“, so Erzbischof Becker. Es sei immer wieder beeindruckend festzustellen, zu was der BDKJ und die Mitgliedsverbände in der Lage seien. Aufgrund der gegenwärtigen Lebendigkeit, aber nicht zuletzt auch aus autobiographischen Erfahrungen heraus, sei er stets ein Fürsprechen katholischer Jugendverbandsarbeit gewesen: „Es wäre eine Verarmung, wenn man das Verbandsleben aufs Spiel setzen würde“, so Erzbischof Becker weiter.
Als höchstes Beschluss fassendes Gremium der katholischen Jugendverbandsarbeit im Erzbistum Paderborn tagt die BDKJ-Diözesanversammlung zweimal jährlich und trifft dabei grundlegende Ent-scheidungen für die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Politik, Kirche und Gesell-schaft. Rund 70 Delegierte der BDKJ-Mitglieds-, Stadt- und Kreisverbände aus dem gesamten Erzbistum vertreten dabei ca. 70.000 Mitglieder in den katholischen Jugendverbänden.
28.06.2009
Paderborn/Ostereiden, 28. Juni 2009 (derdom). „Ich würde mir für die Kirche wünschen, dass sie genug Raum für die Jugend bietet“, meint BDKJ-Diözesanseelsorger Andreas Neuser und fügt schnell hinzu, dass er damit nicht nur Gruppenräume in Pfarrheimen meint. „Wir müssen die Jugendliche an den Entscheidungsprozessen beteiligen“, sagt Neuser, gerade im Hinblick auf die Umstrukturierung der Pastoralverbünde. Neuser hat lange genug Jugendarbeit auf allen Ebenen gemacht, um zu wissen, wovon er spricht. An diesem Wochenende wird er als Diözesanseelsorger verabschiedet.
„Die Jugendlichen werden die anstehenden Herausforderungen meistern, die Jugend entscheidet selbst, wie es weiter geht und wird sich immer organisieren“, sagt der 43-jährige Priester an der Spitze des BDKJ. An diesem Wochenende macht er Platz für einen jüngeren Nachfolger, den die Diözesanversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend voraussichtlich in Lars Hofnagel (zuvor Pfadfinder-Diözesankurat und weiterhin Hochschulpfarrer) wählen wird. Nun soll Schluss sein, nach sechs Jahren im Vorstand des BDKJ-Diözesanverbandes, davor sechs Jahre im Diözesanvorstand der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und etlichen weiteren Stationen in der katholischen Jugendarbeit.
„Klar hält das einen jung, aber man muss nicht immer der letzte sein, der geht“, schmunzelt Andreas Neuser und blickt zufrieden zurück. Und wo geht es hin? „Es ist noch nichts spruchreif“, sagt Neuser, nur, dass es mit Pfarrseelsorge zu tun hat.
Da kam Andreas Neuser vor zwölf Jahren her. Hamm und Fröndenberg gehörten zu den Stationen in der Vikars-Zeit. Besonders prägend sei die Fröndenberger Zeit gewesen, „dort gab es einen sehr aktiven Pfadfinderstamm“. „Bewusst“ habe er die Entscheidung für Jugendarbeit auf Bistumsebene getroffen, jedoch immer verknüpft mit dem Dienst in einem Pastoralverbund. So tourte der gebürtige Siegener zuletzt zwischen Paderborn und Oestereiden im Pastoralverbund Rüthen hin und her. Dort war Neuser für mehrere Dörfer als Pfarradministrator zuständig. Manchmal sei das aufreibend gewesen, „aber ich habe immer von beiden Aufgaben profitiert“.
Da standen schließlich beim BDKJ die Organisation der Sternsingeraktion an, das Ausbilden von Ehrenamtlichen im Bereich der geistlichen Leitung oder das Verhandeln mit Land und Kirche über Finanzen. Eben klassische Lobbyarbeit. Doch Lobby sei ein negativ belegtes Wort, das Andreas Neuser nicht gerne in den Mund nimmt. „Wir übernehmen die Vertretungsarbeit für 70 000 Kinder und Jugendliche in zehn Verbänden“, so Neuser. Der BDKJ sei kein „zahnloser Tiger“, die Mitgliederzahlen seien konstant, „wir werden ernst genommen“, fühlt sich Andreas Neuser zusammen mit seinen Vorstandkollegen Matthias Schmidt und Kathrin Jäger bestätigt. Das leidige Thema „Geld“ sei selten das Problem, „natürlich ist Jugendarbeit förderungswürdig“, „aber Jugendarbeit lebt nicht nur vom Geld, sondern von den jungen Leuten, die sich für Kirche und Gesellschaft engagieren“, erklärt Andreas Neuser. Dabei hat der BDKJ nicht selten mit einem Problem zu kämpfen, denn in den Stadt- und Kreisverbänden fehle es an Engagierten, die die Interessenvertretung übernehmen. „Da gehört kein 18-Jähriger rein, die machen lieber Gruppenstunden“, weiß Neuser, doch vielen älteren Jugendlichen fehle eben die Zeit für die Gremienarbeit.
Eine Aussage über die Zukunft der Jugendverbände im Erzbistum wagt Andreas
Neuser nicht, das wäre „zu prophetisch“. Doch er sieht die kommenden Herausforderungen. „Das mit der Demografie geht jetzt erst richtig los“ und „wir müssen abwarten, wie sich die zunehmende Verschulung der Jugend auswirkt.“ Andreas Neuser hoffte jedenfalls, dass es trotz Ganztagsschule und Betreuungsangeboten weiterhin genug Freiraum gebe, denn bei den Jugendverbänden erlerne man viele soziale Kompetenzen.
Glücklich blickt er auf die Zeit in der Jugendarbeit bei der DPSG und dem „großen Betrieb“, dem BDKJ zurück. Davon zeugen auch die vielen Erinnerungsstücke von Weltjugendtagen, Katholikentagen, 72-Stunden-Aktion, Pfadfindertreffen und vielem mehr im Haus von Andreas Neuser. Die dürfen sogar die Schalke-Fanartikel in den Hintergrund drängen.
25.06.2009
Paderborn, 25. Juni. Am kommenden Wochenende lädt der BDKJ-Diözesanvorstand alle stimmberechtigten und beratenden Mitglieder zur BDKJ-Diözesanversammlung in das Jugendhaus Hardehausen ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht traditionell der Rechenschaftsbericht des BDKJ-Diözesanvorstands. Weitere Höhepunkte sind der Besuch des Erzbischofs Hans-Josef Becker, die Neuwahl zum Amt des Diözesanseelsorgers, sowie die Verabschiedung von BDKJ-Diözesanseelsorger Andreas Neuser.
Nach sechsjähriger Amtszeit wird Diözesanseelsorger Andreas Neuser den BDKJ verlassen. „Ich gehe mit einem lachendem und einem weinenden Auge“, so Neuser im Vorfeld der Veranstaltung. Er blicke gerne auf seine Amtszeit zurück und freue sich über die vielen Begegnungen und Erfahrungen, die er beim BDKJ erleben durfte, so Neuser weiter. „Katholische Jugend(verbands)arbeit hat mir immer große Freude bereitet – da wird mir zukünftig etwas fehlen“, äußerte sich Neuser abschließend mit einem leicht wehmütigen Blick.
Am Samstagnachmittag ist dann laut Tagesordnung die Wahl eines neuen BDKJ-Diözesanseelsorgers geplant. Bereits im Vorfeld hat Lars Hofnagel, ehemaliger DPSG-Diözesankurat, seine Kandidatur bekannt gegeben und wird sich der Versammlung zur Wahl stellen.
Im Anschluss daran erwarten die Delegierten den Besuch von Erzbischof Hans-Josef Becker, der als Gast der Diözesanversammlung beiwohnen wird. Während seines Besuches ist zunächst ein einstündiger Rückblick auf die 72-Stunden-Aktion vorgesehen, wo auch erste inhaltliche Bewertungen vorge-nommen werden sollen. Danach haben die Delegierten die Möglichkeit mit dem Erzbischof ins Gespräch zu kommen.
Als höchstes Beschluss fassendes Gremium der katholischen Jugendverbandsarbeit im Erzbistum Paderborn tagt die BDKJ-Diözesanversammlung zweimal jährlich und trifft dabei grundlegende Entscheidungen für die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft. Rund 70 Delegierte der BDKJ-Mitglieds-, Stadt- und Kreisverbände aus dem gesamten Erzbistum vertreten dabei ca. 70.000 Mitglieder in den katholischen Jugendverbänden.
18.06.2009
Kurz vor Sommerferienbeginn liegt eine neue Ausgabe des beliebten „Spiribriefs“ vor. Passend dazu eignet er sich für alle diejenigen, die in der freien Zeit auf Reise gehen werden. Neben einführenden Gedanken zum Thema Sommer/Ferien enthält der „Spiribrief“ Assisi´s „Sonnengesang“, eine kleine Mitmachaktion, einen Reisesegen sowie ein Liedvorschlag. Viel Spaß damit!
01.06.2009
Flecken auf dem T-Shirt
Ein Bericht über „Saubere Kleidung“ oder Kleidung kritisch konsumierenEs geht nicht ohne. Seit Adam und Eva ihre Nacktheit entdeckten, trägt die Menschheit Kleidung, um den Körper zu bedecken, sei es nun aus Scham oder als Schutz gegen Sonne und Kälte. Das erste Menschenpaar begnügt sich noch mit einfachen Naturprodukten. Die Bibel berichtet, dass sie sich Feigenblätter anhefteten. Heutzutage gehen wir nicht in den Wald, sammeln ein paar Blätter und basteln daraus unsere Kleidung, sondern wir gehen in große Bekleidungsgeschäfte oder kleine Boutiquen, um uns Kleidung zu kaufen, andere bestellen auch per Katalog oder Online, um sich anzukleiden. Die Stoffe und auch die Kleidung selbst werden schon lange nicht mehr in Westeuropa produziert, sondern allergrößtenteils in Asien. Die wenigsten wissen, welchen Weg ein Kleidungsstück nimmt. So kommt es vor, dass die Baumwolle in Kasachstan geerntet, in der Türkei gesponnen, in Taiwan gewebt, in China gefärbt und das Ganze auf den Philippinen zusammengenäht wird. Von dort kommt es nach Europa. Entlang der gesamten Produktionskette begegnen uns Arbeitsrechtverletzungen, unwürdige Behandlung und Ausbeutung von Frauen und Kindern sowie aus ökologischer Sicht eine Menge CO²-Ausstoß. Die Bekleidungsindustrie gehört zu den am stärksten globalisierten Branchen der Welt und immer wieder entstehen neue Fabriken, die noch billiger produzieren können und dabei ihre meist weiblichen Arbeiter ausbeuten und unter menschenunwürdigen Bedingungen nähen lassen. Aber wen interessiert das schon. Wir fragen uns doch eher, was gerade der neue Sommertrend ist und welche Farbe mein nächstes T-Shirt haben sollte oder welchen neuen Marken-Turnschuh ich mir kaufe. Vielleicht fragt man sich noch, wenn große Discounter T-Shirts für wenige Euros anbieten, wie der Preis dafür zustande kommen kann, aber letztendlich ist man doch froh etwas Schickes und Preiswertes zum Anziehen gefunden zu haben, gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise.
Aber auch beim Auffüllen des Kleiderschrankes kann man nicht nur ökologisch, sondern auch fair einkaufen. Dies ist allerdings noch recht schwierig, denn die großen Labels legen meistens keinen Wert auf eine faire Produktion ihrer Waren. Sie lassen billigst und unter Dumpinglöhnen in Asien produzieren, verkaufen ihre Waren dann aber ziemlich teuer in westlichen Einkaufshäusern.
Doch es gibt auch andere Beispiele: Der BDKJ hat schon mehrere große Sozialaktionen (2002 „Fair gewinnt“, 2009 „72-Stunden-Aktion“) durchgeführt und hierzu vielfältige Merchandising-Produkte angeboten. So sind z. B. die T-Shirts zu den Aktionen fair gehandelt gewesen. „LamuLamu“ heißt die Marke. Sie ist ein bisher einzigartiges Konzept ökologisch produzierter und sozial fair gehandelter Kleidung. Unter dem Label „LamuLamu“ vertreibt der Landjugendverlag (Firma des KLJB-Bundesverbandes) seit 1998 Kleidung aus Biobaumwolle, deren gesamte Produktionskette vom Anbau der Biobaumwolle bis zum fertigen Kleidungsstück ökologisch und sozial zertifiziert wird. Auf der Homepage: www.lamulamu.de kann man weitere Informationen finden und auch Kleidungsstücke bestellen bzw. eigene Drucke in Auftrag geben.
Ein anderes Beispiel zeigt, dass sich der Gedanke einer fairen Wertschöpfungskette ganz langsam breit macht. Zwei Jungunternehmer aus Köln setzen auf Fairness, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Sie gründeten vor wenigen Jahren die Firma „armedangels“. Durch die Zusammenarbeit mit Fairtrade stellen sie sicher, dass die Baumwolle nicht mit Pestiziden verseucht ist und dass das Trinkwasser im Anbaugebiet nicht belastet wird. Weiterhin zahlen sie ihren Produzenten in Indien und ihren Nähern in Portugal einen Preis, der deutlich über dem Weltmarktniveau liegt. Damit können die Bauern in Indien ihre Familien ernähren und müssen nicht ihre Kinder aufs Feld schicken. Die T-Shirts sind zwar etwas teurer, aber dafür kann man sie ohne schlechtes Gewissen gut tragen. Ziel der beiden Jungunternehmer ist es, dass immer mehr Menschen Qualität statt Quantität kaufen und dass VerbraucherInnen gezielt konsumieren. Es lohnt sich auch mal im Internet nachzuschauen bei: www.armedangels.de
Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, fair gehandelte Kleidung zu erwerben: Wer nicht auf so ganz modisch bunt bedrucktes Design steht, aber dennoch fair produzierte Kleidung tragen möchte, sollte auch mal bei El Puente unter www.fairliebt.de im Bereich „Fair fashion“ nachschauen.
Andere Organisationen wie die Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign CCC) setzen sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Zulieferern deutscher Textil-Handelsketten ein. Sie informiert über aktuelle Arbeitsrechtverstöße in den Zulieferbetrieben, die sich meist in Entwicklungsländern befinden. Weitere Informationen findet man auch auf der Homepage: www.saubere-kleidung.de Hier kann man sich auch über die führenden deutschen Unternehmen in der Bekleidungsbranche und über die Kritik an den Unternehmen wie Adidas, Aldi, C&A, KiK und andere informieren. Weiterhin erhält man Aktionsideen und ein reichhaltiges Materialangebot zum Weiterlesen.
A K T I O N S V O R S C H L A GBestellt für eure nächste Aktion (Großveranstaltung, Ferienfreizeit, Gruppenstunde, Gremien) fair hergestellte T-Shirts und gestaltet sie gemeinsam. Ihr könntet sie wahlweise Batiken oder bemalen – seid einfach kreativ!
S T A T E M E N T „Fair gehandelte Kleidung bedeutet für mich gerechte Bezahlung der Kleidungshersteller und damit die Chance auf ein menschenwürdigeres Leben und auf ein Stück gerechtere Welt. Außerdem wird der billigen Kleidungsproduktion durch Kinderhände vorgebeugt.“
(Barbara Ester, KJGlerin aus Bad Driburg)
(Quelle: DAG EPA des BDKJ-Diözesanverband Paderborn)
30.05.2009
Kritischer Konsum im Siegeldschungel
Jede(r) hat sich beim Einkaufen sicherlich schon mal die Frage gestellt, was die ganzen Siegel, die auf den Verpackungen abgedruckt sind und uns Auskunft über Herkunft und Produktion geben sollen, eigentlich bedeuten und vor allem, worin eigentlich ihr Unterschied liegt. Das sicherlich am weitesten verbreitete Siegel ist das sechseckige Bio-Siegel nach EG-Ökoverordnung, welches durch ein einheitliches EU-Biosiegel ersetzt werden soll.
Neben dem EU-Biosiegel gibt es noch die Siegel der einzelnen Anbauverbände, die ökologischen Landbau betreiben, wie deme¬ter, Biokreis, Bioland, Biopark, Ecoland, Ecovin, Gäa und Natur¬land. Bei diesen Anbauverbänden gehen die Anforderungen an die Landwirtschaft über die der EG-Ökoverordnung hinaus. Bioland z.B. setzt sich verstärkt für die Regionalität der Produkte ein. Demeter beinhaltet die strengsten Richtlinien: Hier muss alles, was im Betrieb verwendet wird, auch vom eigenen Hof stammen und die Landwirte beziehen sich auf die Lehre von Rudolf Steiner. Die Biosiegel der Discounter entsprechen mindestens den Anfor¬derungen der EG-Ökoverordnung.
Aber auch die konventionelle Landwirtschaft wird gesiegelt - mit dem QS-Zeichen. Dabei wird Wert auf die Transparenz der Produktionsprozesse gelegt. Besondere Anforderungen gibt es hier kaum, darunter fallen aber der Verzicht auf Antibiotika und ein geringerer Einsatz von Dünger. Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen bei der Lebensmittelproduktion wird verstärkt überprüft.
Neben den Biosiegeln gibt es natürlich auch noch die Transfair-Siegel, allen voran das Fairtrade-Siegel, aber auch die Firmensiegel bzw. Namen BanaFair, GEPA, EL PUENTE und dwp, die zum Teil zusätzlich das Transfair-Siegel tragen.
Siegel werden entweder vom Staat vergeben - wie das sechseckige Biosiegel - oder von Verbänden und Vereinen, aber auch von der Industrie selbst als Deklaration hinzugefügt. Auch der TÜV siegelt Lebensmittel, er achtet darauf dass Hygiene¬maßnahmen eingehalten werden, dass jeder Produktionsschritt nach vollziehbar ist und das eine regelmäßige Kontrolle auf Schadstoffe erfolgt.
Siegel gibt es nicht nur für Lebensmittel, der Bundesverband der Verbraucherinitiative e.V. hat auf www.label-online.de über 300 Siegel und Marken für alle erdenklichen Branchen bewertet. Siegel für die Textilindustrie sind z.B. da europäische Umweltzeichen, dieses Zeichen erhalten Textilien, die von der Herstellung bis zur Entsorgung eine geringe Umweltbelastung aufweisen, z.B. sind schwermetallhaltige Farbstoffe verboten und es wird auf einen wassersparenden Anbau und Produktion geachtet.
Ein anderes Siegel ist das Öko-Tex Standard 100 plus. Hier wird neben der Umweltverträglichkeit auch auf die Arbeitsbedingungen geachtet. Der Otto-Versand hat z.B. ein eigenes Siegel entwickelt,
welches von unabhängigen Prüforganisationen überwacht wird. PURE WEAR kennzeichnet Textilien die schadstoffgeprüft und umweltfreundlich hergestellt wurden, Arbeitsbedingungen bleiben hier wie bei der EU-Blume unberücksichtigt. Der Otto-Versand und auch andere Firmen, wie Tom Tailor, die GTZ und der NABU beteiligen sich an dem Projekt „Cotton made in Africa“. Hier liegt der Schwerpunkt liegt darin, den Absatz afrikanischer Baumwolle zu fördern und damit Hunderttausenden von Kleinbauern in Benin, Burkina Faso und Sambia bessere Zukunftschancen zu verschaffen.
Es ist nicht leicht, sich im Siegeldschungel zurecht zu finden, zumal man sich oft entscheiden muss, worauf der Schwerpunkt bei der Produktauswahl liegt: Ist die Regionalität wichtiger als der kontrolliert biologische Anbau oder soll das Produkt fair gehandelt sein? Wer mehr wissen möchte und wissen will, welche Konflikte auftreten können, wenn man versucht, kritisch zu konsumieren, dem sei das Buch „Gute Marken, böse Marken: Konsumieren lernen, aber richtig!“ von Stefan Kuzmany empfohlen.
A K T I O N S V O R S C H L A GWie wäre es mit dem Besuch eines „demeter-Hofes“ in eurer Nähe, zum Beispiel während einer Gruppenstunde oder eines gemeinsamen Wochenendausfluges eurer Jugendgruppe? Für den Kreis Paderborn liegen z.B. Käserei, Hof und Hofladen in Schloss Hamborn, (Borchen) nahe. Dort könnt ihr im „Café Alte Schule“ den Ausflug gemeinsam mit einem fair gehandelten Kakao ausklingen lassen. Oder besucht gemeinsam einen Eine-Welt-Laden in eurer Nähe. Vielleicht könnt ihr dafür vorher mit den Mitarbeiter/innen einen Termin vereinbaren und euch durch den Laden führen und die Produkte, Projekte und Siegel erklären lassen?
S T A T E M E N T„Ich kaufe mein Fleisch nur noch von „demeter-Höfen“ oder vom Schloss-Hamborn-Stand auf dem Wochenmarkt. Da weiß ich wenigstens, wo es her kommt und muss mir keine Sorgen um die Qualität und Auswirkungen von Medikamenten zu machen. Das ist mir das zusätzliche Geld wert.“
(Roswitha Berger, Grundschulpädagogin aus Borchen)
29.05.2009
MIKROKREDITE als Beispiel einer ethisch verantwortlichen Geldanlage
Ein Beispiel: O I K O C R E D I T
Dass „jeder Euro hilft“, das wussten wir schon vor der überwältigenden Hilfs- und Spendenbereitschaft nach dem Tsunami in Asien. Fast jeder Flyer, jeder Spendenbrief vermittelt heute anschaulich, mit wie wenig Geld man wie viel Gutes in Asien, Afrika oder Lateinamerika tun kann: Was kostet ein Brunnen, was die „Patenschaft“ für ein Kind, was eine Impfung oder eine wöchentliche Überlebensration für eine Familie zum Beispiel? Immer geht es um Beträge, die niemanden abschrecken, der vor der Frage steht, ob er oder sie mit einer Spende helfen möchte. Sinnvoll soll die Spende sein und wenn 30 oder 100 Euro sinnvolle Hilfe ermöglichen, dann trenne ich mich gern von einem solchen Betrag, einmalig oder auch regelmäßig. Viele sagen: Das kann ich mir gerade noch leisten, eine Spende von 50 oder 100 Euro.
Kleine Kredite mit großer WirkungAber ein Darlehen von 50 oder 100 Euro? Wozu soll das gut sein? Keine Sparkasse würde für einen so winzigen Kredit anfangen zu rechnen. Und doch: Die Vereinten Nationen haben z.B. das Jahr 2005 zum „Jahr der Mikrokredite“ ernannt. Und beim zweiten Nachdenken erschließt sich die Dimension solcher Finanztransaktionen und ihre entwicklungspolitische Bedeutung:
Mit Hilfe eines Kredits in dieser minimalen Größenordnung können Menschen tatsächlich Wege aus der Armut finden. In Afrika, in Asien und Lateinamerika, aber auch in Osteuropa. Mit einem Mikrokredit können sie ein Gewerbe anfangen oder so weit ausbauen, dass die Familie davon leben kann und der Kredit zumindest zurückgezahlt werden kann. Denn zurückgezahlt werden muss er, es geht nicht um Almosen, auch nicht um verkappte. Dadurch, dass Menschen ein Mikrokredit zugesagt wird, werden sie ernstgenommen als Subjekte, die ihr Leben selbst bestimmen, die etwas schaffen und aufbauen können. Die Abhängigkeit – sei es von milden Gaben oder von Mitteln wohlorganisierter Entwicklungshilfe – muss kein unabänderliches Schicksal bleiben. Das Konzept ist so bestechend, dass man sich wundert, warum die Menschen nicht schon früher darauf gekommen sind. Immerhin: Seit drei Jahrzehnten gibt es diese Form der Verzahnung von Entwicklungshilfe und Finanzdienstleistung doch schon. Seit über dreißig Jahren erleben Menschen, was es heißt, ohne irgendwelche Sicherheiten, die man vorweisen könnte, „kredit-würdig“ zu sein. Man muss das am Beispiel erläutern, bevor man sich in die Feinheiten eindenkt:
„Kredit hat mein Leben verändert.“Sumanthi hat ihr Leben lang gebettelt. Sie kannte nichts anderes. Sie saß an der Straßenkreuzung in einem kleinen indischen Dorf und bettelte. Irgendwann waren Leute gekommen und hatten ihr vorgeschlagen, sie möge doch mit einem kleinen Darlehen eine selbständige Erwerbsarbeit aufnehmen. Sumanthi konnte sich das nicht vorstellen. Sie konnte ja nichts. Was hatte sie schon gelernt? Wie sollte sie da ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und gar noch einen Kredit zurückzahlen? Aber diese Leute blieben mit ihr im Gespräch. Der Gedanke setzte sich bei ihr fest und sie erinnerte sich daran, dass ihr Großvater vor langer Zeit durch die Dörfer gezogen war und Schreibwaren verkauft hatte. Warum sollte sie das nicht auch können? Schreibwaren wurden gebraucht, heute nicht weniger als damals. Sumanthi, die Bettlerin, war schließlich bereit, das erste Darlehen ihres Lebens aufzunehmen. Für einen Mikrokredit von umgerechnet 100 Euro kaufte sie in der Stadt Bleistifte, Kugelschreiber und Schreibhefte und verkaufte sie im Dorf weiter. Zum ersten Mal in ihrem Leben verdiente Sumanthi eigenes Geld und konnte sich Essen kaufen, statt es zu erbetteln. Etwas konnte sie sogar zurücklegen.
Nachdem sie ihr erstes Darlehen zurückgezahlt hatte, nahm sie ein zweites auf. Damit kaufte sie einen kleinen Karren, damit sie mehr Waren transportieren und ein größeres Gebiet abdecken konnte. Die Leute, die ihr den Kredit gaben, die kannten ihre Lebensumstände und die halfen ihr, ihre Begabung für den Kleinhandel zu entdecken und weiter zu entwickeln. Sumanthi hat sich von einer Bettlerin zu einer Frau entwickelt, die mit Stolz und Würde durch ihr Dorf geht. Ein Mikrokredit hat ihr Leben verändert.
Mikrofinanzinstitutionen als EntwicklungshelferDie Geschichte hat den Vorzug, wahr zu sein. Aber natürlich gibt keine Bank Sumanthi Kredit, auch nicht in Indien. Wer also waren dann die Leute, die sie seinerzeit angesprochen hatten und die ihr das erste und das zweite Darlehen gewährt hatten? Das waren Mitarbeiter von „Share Microfin Ltd“. Und das ist eines von inzwischen zahlreichen regionalen „Mikrofinanzinstituten“, die allenthalben unter der Abkürzung MFI geführt werden. Mikrofinanzinstitute vergeben zu angemessenen Zinsen Mikrokredite an Menschen wie Sumanthi. Weil sie die Menschen in ihrer Nachbarschaft genauso gut kennen wie die lokalen Märkte, Marktnischen und ökonomischen Besonderheiten, gelingt es diesen MFIs in beachtlichem Umfang, Menschen zum Aufbau einer beruflichen Existenz zu verhelfen. Kleingewerbe, Handwerk oder Dienstleistungen werden mit Mikrokrediten gefördert. In Indonesien oder Ghana, in Peru oder in Rumänien sind es oft Darlehensbeträge von weniger als 100 Euro, die den Unterschied ausmachen zwischen hoffnungsloser Armut und einem Leben mit bescheidener, aber selbstbestimmter Perspektive.
Trotzdem – die entscheidende Frage bleibt: Woher kommt das Kapital, das da als Mikrokredit vergeben wird? Keine Geschäftsbank dieser Welt wird sich darauf einlassen, so etwas zu finanzieren. Die Antwort, das Kapital, das da in Indien, Nairobi, Peru oder Indonesien eingesetzt wird, komme – auch – aus Bonn, ist sicher grob vereinfachend. Aber ganz falsch ist sie nicht. Denn in Bonn ist der Sitz des „Westdeutschen Förderkreises“ von „Oikocredit“.
Faire KrediteMit Hilfe von Geldanlagen hat Oikocredit zurzeit rund 740 Darlehen über insgesamt fast 360 Millionen Euro vergeben, die meisten an Mikrokreditinstitutionen. Dazu gehören Direktkredite für größere Genossenschaften (etwa von Kaffeebauern in Mittelamerika) mit entsprechend großen Darlehensbeträgen. Aber Oikocredit ist eben auch Pionier bei den Mikrokrediten. Und Oikocredit trägt durch eine sorgfältige Begleitung dazu bei, dass die Kreditnehmer/innen gut betreut und beraten werden.
Heute gibt es zahlreiche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die Programme für Kleinkredite aufgelegt haben. Was Oikocredit von diesen unterscheidet, führt endlich wieder nach Bonn zurück. Der „Westdeutsche Förderkreis e. V.“ ist der größte von über 30 solcher Kreise, davon acht in Deutschland. Denn das Kapital von Oikocredit stammt in erster Linie aus Geldanlagen von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, nicht aus anonymen Haushaltstiteln, egal ob staatlich oder kirchlich. In Deutschland beteiligen sich zurzeit über 14.000 Einzelpersonen, Kirchen, Pfarrgemeinden und Organisationen an Oikocredit, darunter 12 Bistümer, die Deutsche Bischofskonferenz, Misereor, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (auch die Diözesanverbände des BDKJ und DPSG Paderborn). Die Philosophie der Geberseite ist die der Geldanlage, für die man eine gewisse Verzinsung erwarten darf und die man wie die Einlage beim Sparbuch auch kündigen und zurückfordern kann. Sie ist auch ein Instrument der entwicklungspolitischen Bewusstseinsarbeit: Es geht nicht um Almosen, Geben und Nehmen signalisieren in der einen Welt die Verantwortung für einander.
Pionier des ethischen InvestmentsWeil Oikocredit im juristischen Sinne keine Bank ist, kann man dort Geld nur als Mitglied eines Vereins – eben des Förderkreises – anlegen und verwalten lassen. Oikocredit hat sich mit seinen Förderkreisen längst einen ausgezeichneten und durchaus soliden Ruf in Finanzkreisen erworben. Im Bereich „ethische Geldanlage“ (ein Begriff, den es vor 25 Jahren noch nicht gab) steht Oikokredit durchaus in vorderster Front.
Wer Geld bei Oikocredit Geld anlegen möchte, erwirbt Genossenschaftsanteile. Ein Anteil kostet 200 Euro. Rechnen kann man mit einer Verzinsung von 2 Prozent. Die kann zwar niemand garantieren, sie ist aber in beachtlicher Kontinuität erreicht worden. Große Spekulationsgewinne erwartet kein Anleger, aber bisher hat auch niemand den Nominalwert seiner Einlage verloren. Jederzeit können mit vereinbarten Kündigungsfristen die angelegten Gelder wieder abgezogen werden.
(Autor/innen: Manfred Gronwald, Ulrike Chini, Ele Leifeld)
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