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Stellungnahme des BDKJ-Diözesanvorstands zum Papstbrief vom 29.06.2019

Der BDKJ-Diözesanvorstand Paderborn (v.l.): Jan Hilkenbach, Annika Manegold, Markus Wippermann

Ende Juni bekamen die deutschen Katholik*innen Post von Papst Franziskus – und das ist etwas Besonderes. Im Vatikan macht man sich wohl Gedanken, wohin das führen wird, wenn die Bischöfe in Deutschland gerade einen synodalen Weg anstoßen. In dem Brief wird um Geduld gebeten. In dem Brief wird zudem die Befürchtung deutlich, es könne zu übereilten Schlüssen und Entscheidungen kommen, die eine bloße Anpassung an den ominösen „Zeitgeist“ darstellten.

Wir stellen fest, dass im gesamten Schreiben nicht ein einziges Mal die Themen direkt benannt werden, um die es auf dem synodalen Weg gehen soll: „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und „Priesterliche Lebensform“. Dies sind jedoch genau die Themen, die für junge Menschen in der Kirche in Deutschland eine Rolle spielen. Dies zeigte u.a. die Postkartenaktion „Post an den Papst“, an der tausende junger Menschen letztes Jahr vor der Jugendsynode teilnahmen, um Franziskus ihre Wünsche an und Vorstellungen von Kirche mitzuteilen. Und diese Themen brachte Thomas Andonie, BDKJ-Bundesvorsitzender, in seiner Rede als Auditor in die Jugendsynode ein.

Als BDKJ-Diözesanvorstand haben wir das Schreiben des Papstes daher mit Interesse wahr- und ernstgenommen. Es hat bei uns jedoch auch einige Fragen aufgeworfen:

Wie viel Geduld soll „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ denn noch aufbringen? 40 Jahre – also nach heutigen Maßstäben ein halbes Leben - ist das Volk der Israelit*innen damals nach dem Exodus durch die Wüste gepilgert. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, nicht immer haben sie dies mit Fassung getragen und viele hätten zwischendurch am liebsten hingeschmissen. Immer wieder mussten sie sich zusammenreißen, um doch gemeinsam weiterzugehen – auch wenn sie wussten, dass sie selbst vielleicht gar nichts mehr von der verheißenen Zukunft haben würden. „Das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ist nun seit über 40 Jahren unterwegs. Seit spätestens der Würzburger Synode kommen die Fragen, die nun erstmalig von der Bischofskonferenz selbst proaktiv auf die Tagesordnung gehoben worden sind, nicht mehr zum Stillstand. Nun kann ein ehrlicher und verbindlicher Prozess beginnen, den viele Menschen, katholische Jugendverbände und das ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) sich seit langem wünschen.

Den meisten engagierten Katholik*innen in Deutschland geht es dabei nicht um unreflektierte Schnellschussanpassung an „den Zeitgeist“ oder um leichtfertiges Aufs-Spiel-Setzen der Einheit mit der Weltkirche. Als BDKJ ist uns ein zentrales Anliegen: die „Freiheit der Kinder Gottes“, wie wir es schon im Jahr 2011 in einem Beschluss der Hauptversammlung formulierten. Das ist inhaltlich eine der frohen Botschaften des Evangeliums. Und das tangiert eben auch Strukturfragen. Strukturen in Kirche müssen Freiheit ermöglichen, fördern und schützen, das dadurch freigesetzte Potenzial erkennen und ernstnehmen. Erkenntnisse über – auch Freiheit-behindernde bis verletzende - systemische Zusammenhänge müssen Anlass und Motivation sein, diese Strukturen zu verändern, sodass sie dem Evangelium immer gerechter werden und es glaubwürdig erfahrbarer werden lassen. Deswegen ist es dringend erforderlich, die Themen des synodalen Weges gerade nach den „Missbrauchsskandalen“ und dem Beginn ihrer Aufarbeitung – zu thematisieren und Lösungen zu entwickeln. Daher: Lasst uns aufhören, inhaltliche und strukturelle Fragen gegeneinander auszuspielen!

Der Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ist sehr offen, vielleicht zu offen formuliert. Nach der Lektüre können wir zwar vielfältige Mutmaßungen anstellen, wo wir uns nach Auffassung des Vatikans ausbremsen sollten. Eine kritisch-konstruktive, argumentative Anregung, wo genau der Vatikan Vereinseitigungen sieht oder befürchtet, suchen wir jedoch vergeblich.

Neben diesem Brief haben wir vor kurzem noch eine andere Botschaft erhalten. Das Schreiben „Christus vivit – Christus lebt“ von Papst Franziskus im Nachklang der Jugendsynode hatte ähnliche Schlüsselthemen: Dialog zwischen den Generationen und Kulturen. „Unterscheidung der Geister“, um bloße Anpassung an den Zeitgeist zu vermeiden. Zuhören und Geduld.

Auch in diesem Schreiben nach der Jugendsynode warnt Franziskus immer wieder vor der Gefahr, sich zu verrennen – aber eben in verschiedene Richtungen (vgl. CV 35). Die Geduld, die Franziskus sich von uns in „Christus vivit“ wünscht, hat nichts mit ängstlicher Zögerlichkeit, Ausbremsung geschweige denn Stillstand oder Rückwärtslauf zu tun (vgl. CV 299).

Natürlich ist Evangelisierung ein Gebot der Stunde, für alle Bereiche von Kirche. Allerdings sollten wir Partizipation in vielen Bereichen noch weiter ausbauen. Struktur- und Inhaltsfragen des kirchlichen Engagements müssen sich also nicht widersprechen. Im besten Fall ergänzen sie sich.

Der BDKJ-Diözesanvorstand Paderborn: Annika Manegold, Jan Hilkenbach, Markus Wippermann

 

Die Stellungnahme kann hier als .pdf-Datei heruntergeladen werden.