Stimmen zum Synodalen Weg


Vikar Dr. Tobias Schulte

Zum Thema Macht und Partizipation:

„‚Die Würde des Menschen erfordert also, dass er gemäß seiner bewussten und freien Wahl handelt, nämlich personal, von innen her bewegt und veranlasst, und nicht unter dem blinden inneren Drang oder unter bloßem äußerem Zwang.“ (GS 17,1). Es dürfte dies eine der faszinierendsten Formulierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils sein, die nicht zuletzt das einholt, was die moderne Gesellschaft zutiefst auszeichnet: Wenn nämlich – wie es immer wieder zu hören ist – „Freiheit sein soll“, dann kann sich die die Sozialgestalt der Kirche dem nicht widersetzen, sind doch auch die Formen kirchlicher Identitätsbildung und das individuelle Bewusstsein kirchlicher Zugehörigkeit zutiefst davon betroffen! Individualisierung und Pluralisierung sind wohl nur zwei Schlagworte, die diese Tendenz treffend beschreiben. Ernst Troeltsch hat es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts prägnant formuliert: „Der Zwang ist nicht mehr eine Bewahrung des Ganzen vor Einzelstörungen, sondern eine Vergewaltigung der wirklichen Lebensströmungen.“ (Troeltsch, E.: Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen. 3. Neudr. der Ausg. Tübingen 1922 (GW 1). Aalen 1977, 981.). Was also wäre, wenn sich die Kirche in einer freiheitsbewussten Welt dadurch neues Gehör verschafft, indem sie dem Ausdruck verleiht, was sie auf dem letzten Konzil beschlossen hat? Mehr Partizipation, mehr Gleichberechtigung und weniger ausgeprägte Machtdiskurse sollten dann selbstverständlich sein!"