Paderborn, 13.03.2026. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Paderborn reagiert betroffen auf die gestern veröffentlichte kirchenhistorische Studie zur sexuellen Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Die Ergebnisse machen erneut deutlich, welches Leid Betroffenen in der Kirche zugefügt wurde.
„Unser erster Blick gilt den Betroffenen. Ihr Leid anzuerkennen, ihnen zuzuhören und ihre Perspektiven ernst zu nehmen, ist die Grundlage jeder Aufarbeitung“, erklärt Lena Topp, BDKJ-Diözesanvorsitzende in Paderborn. „Sexuelle Gewalt ist ein schwerer Vertrauensbruch. Dieses Unrecht darf nicht relativiert oder verdrängt werden. Es braucht niederschwellige Unterstützungsangebote und verlässliche Anlaufstellen, um den individuellen Bedarfen der Betroffenen adäquat gerecht werden zu können.“
Der BDKJ erwartet, dass aus den Ergebnissen der Studie klare und verbindliche Konsequenzen gezogen werden. Dazu gehört eine ehrliche Analyse des institutionellen Versagens, welches sexuelle Gewalt ermöglicht und ihre Aufarbeitung verhindert hat. Durch das Wegschauen und Schweigen sogenannter Bystander wie anderer Kleriker, Gemeindemitglieder, Familien, Lehrkräften und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen entstanden „Vertuschungsspiralen“ – wie der Studie zu entnehmen ist. Betroffene befanden sich viel zu häufig in einem Umfeld, welches nicht hinsah oder ihnen nicht glaubte. Deshalb müssen die Studienergebnisse auch gesamtgesellschaftlich ernstgenommen und aufgearbeitet werden: Wie zum Beispiel durch stärkeren Kinderschutz, konsequenter Prävention und sexueller Bildung.
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich: Kirchliche Machtstrukturen begünstigten sexuelle Gewalt! „Gerade deshalb ist die stärkere Beteiligung von Lai*innen und die Teilung von Macht ein wichtiger Schritt, um Gewalt künftig besser zu verhindern.“, sagt Helena Schmidt, Diözesanseelsorgerin des BDKJ-Diözesanverbands Paderborn. „Vom Erzbistum Paderborn und allen kirchlichen Trägern erwarten wir Transparenz, konsequente Aufarbeitung sowie klare und nachvollziehbare Schritte, die zeigen, dass aus den Erkenntnissen der Studie gelernt wird.“
Für den BDKJ-Diözesanverband steht fest: Aufarbeitung und Prävention sind kein einmaliger Schritt, sondern ein dauerhafter Auftrag. Die Delegierten der BDKJ-Diözesanversammlung 2025 haben diesen Anspruch zuletzt im Beschluss „Aufarbeitung jetzt – Für eine Kirche ohne Gewalt“ ausdrücklich bekräftigt. Das Leid der Betroffenen verpflichtet dazu, Machtverhältnisse zu hinterfragen sowie Strukturen und Schutzkonzepte kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Auch dort, wo kirchliche Jugendarbeit in den Blick genommen wird, sieht der BDKJ einen klaren Auftrag, genau hinzuschauen und Konsequenzen zu ziehen. Parallel dazu arbeitet der BDKJ an der Beauftragung einer bundesweiten, unabhängigen Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Jugendverbandsarbeit. Ziel ist es, auch die Strukturen der Jugendverbände wissenschaftlich untersuchen zu lassen, um daraus weitere Konsequenzen für Prävention, Intervention und Aufarbeitung abzuleiten.
„Echte Glaubwürdigkeit entsteht nur durch ehrliche Aufarbeitung und konsequentes Handeln“, so Jan Hilkenbach, BDKJ-Diözesanvorstand. „Die Zusammenarbeit von Bistumsverantwortlichen und der Betroffenenvertretung als unabhängiger Verein bewerten wir positiv und sehen darin eine wichtige Grundlage für die wirksame Aufarbeitung im Erzbistum Paderborn.“
Der BDKJ-Diözesanverband wird die Ergebnisse der Studie sorgfältig auswerten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass Aufarbeitung transparent geschieht und notwendige Veränderungen umgesetzt werden.
Zugleich steht ein weiterer Teil der wissenschaftlichen Aufarbeitung noch aus: Auf Empfehlung der unabhängigen Aufarbeitungskommission wurde das Forschungsprojekt um die Amtszeit von Erzbischof em. Hans-Josef Becker (2003–2022) erweitert; die Ergebnisse werden voraussichtlich 2027 veröffentlicht.
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BDKJ-Diözesanverband Paderborn fordert klare Konsequenzen nach Veröffentlichung der Studie zu sexueller Gewalt
(v.l.n.r. Jan Hilkenbach (BDKJ-Diözesanvorsitzender Paderborn), Helena Schmidt (BDKJ-Diözesanseelsorgerin Paderborn) und Lena Topp (BDKJ-Diözesanvorsitzende Paderborn). (Foto: BDKJ DV Paderborn / Sarah Kaiser)