Hiobs Ringen mit Gott
Viele Menschen sind heute von der Kirche enttäuscht. Sie fühlen sich verletzt, nicht ernst genommen oder alleingelassen. Das Buch Hiob zeigt uns, dass wir mit solchen Gefühlen nicht alleine sind – und dass wir sie vor Gott bringen dürfen.
Hiob verschweigt sein Leid nicht. Er tut nicht so, als wäre alles in Ordnung. Er unterdrückt weder seinen Schmerz noch seine Wut. Stattdessen bringt er alles vor Gott: seine Fragen, seine Klagen, seine Enttäuschung. Er ringt mit Gott – und genau darin bleibt er im Glauben verbunden.
Hiob weiß: Gott ist nicht nur mächtig, sondern auch barmherzig und liebevoll. Deshalb kann er ihm selbst in tiefster Not vertrauen. Auch wenn vieles unverständlich bleibt, hält Hiob an Gott fest – nicht an einem perfekten Bild, sondern an einem Gott, der ihn trägt.
Der Glaube beantwortet nicht alle Fragen nach dem Leid. Auch Jesus hat das Leid nicht einfach erklärt, sondern selbst durchlitten. Durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung gibt er uns Hoffnung: Gott verlässt uns nicht, selbst wenn Menschen und Strukturen versagen. In ihm liegt die Zusage, dass Leid und Unrecht nicht das letzte Wort haben (Offenbarung 21,4).
Hiobs Weg ist geprägt von Höhen und Tiefen. Er verflucht den Tag seiner Geburt, klagt Gott an und zweifelt. Doch immer wieder findet er zurück zur Hoffnung. Schließlich bekennt er: „Mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25). Nicht alle Fragen sind gelöst – aber sein Vertrauen ist neu gewachsen.
Das Buch Hiob zeigt uns: Wir dürfen Gott alles sagen. Unsere Wut, unseren Frust, unsere Enttäuschung über die Kirche, unseren Schmerz. Nichts davon ist ihm zu viel. Echter Glaube bedeutet nicht, immer stark zu sein – sondern ehrlich zu bleiben.
Gerade wer von der Kirche enttäuscht wurde, darf wissen: Gott ist größer als menschliches Versagen. Er hört zu. Er bleibt. Und er geht den Weg mit uns – auch durch Zweifel und Dunkelheit hindurch.
Anleitung für zuhause:
- Ließ dir den Gedanken zur Person Hiob durch. Wenn du magst, schau auch in die Bibel ins Buch Hiob.
- Sammle erst alle Gefühle, die du gerade fühlst. Wie geht es dir?
- Schreibe auf oder spreche laut alle Gedanken aus, die dich bewegen, die dich nerven. Alles darfst du vor Gott benennen, alle Wut, aller Zweifel, aller Hass und Zorn.
- Halte eine Minute Stille, um nachzuspüren.
- Formuliere nun einen Gedanken, der dir in deinem Leben Hoffnung gibt. Oder etwas, das dich froh macht. Notiere einen Satz, den du noch drei Mal laut vorliest.
- Bete abschließend ein Gebet. Hier ist ein Vorschlag. Pass es gerne nach deinen Belieben an.
Gott,
manches in meinem Leben hat mich müde gemacht.
Manches in deiner Kirche hat mich verletzt und enttäuscht.
Oft verstehe ich nicht, warum Dinge so gekommen sind,
wie sie gekommen sind.
Du siehst meinen Schmerz,
meine Wut, meine offenen Fragen.
Manchmal weiß ich nicht, wie ich weiter glauben soll.
Manchmal fühlt es sich an, als wärst du weit weg.
Aber wie Hiob bringe ich dir alles, was in mir ist.
Ich verstecke nichts vor dir.
Ich lege dir meinen Frust, meine Enttäuschung
und meine Sehnsucht nach Heilung hin.
Hilf mir, dir neu zu vertrauen,
auch wenn ich noch keine Antworten habe.
Zeig mir, dass du größer bist als menschliches Versagen
und stärker als meine Zweifel.
Jesus Christus,
du hast Leid und Ablehnung selbst erfahren.
Du weißt, wie sich Einsamkeit anfühlt.
Bleib bei mir, wenn mein Glaube schwach wird.
Schenke mir Geduld,
neue Hoffnung
und ein offenes Herz für deinen Weg mit mir.
Lass mich spüren: Ich bin nicht allein.
Denn ich glaube:
Mein Erlöser lebt.
Und du gehst mit mir – heute und alle Tage. Amen.