© sommart sombutwanitkul /Shutterstock.com
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Aufarbeitung

Am 12.3.2026 erscheint der erste Teil der kirchenhistorischen Studie zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Paderborn. Diese befasst sich mit dem Zeitraum von 1941 bis 2002. Nach der Veröffentlichung werden wir an dieser Stelle unsere Einordnung und unsere Schlussfolgerungen dazu veröffentlichen.

Als Kirche und als Jugendverbände wollen wir ein sicherer Ort für alle Menschen sein, vor allem für die, die aktiven Schutz brauchen. Wir wollen Konzepte und Werkzeuge haben, um diesen Schutz aktiv zu gestalten und so unserem christlichen Selbstverständnis und dem Auftrag zur Nächstenliebe gerecht zu werden.

Dazu braucht es Erkenntnisse aus den Taten der Vergangenheit – es braucht Aufarbeitung. Wir blicken interessiert auf die Ergebnisse des unabhängigen Forschungsprojekts „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941–2002)“ der Universität Paderborn , welche nun am 12. März vorgestellt werden.

Darauf bereiten wir uns als BDKJ- Diözesanverband gemeinsam mit den Jugendverbänden vor und entwickeln Unterstützungsangebote sowohl inhaltlicher, struktureller als auch seelsorglicher Art.

Aufarbeitung in den Jugendverbänden / im BDKJ

In der katholischen Kirche haben Menschen vielfältige Formen von Gewalt erlitten und tun dies auch heute noch – im Besonderen sexualisierte Gewalt. Uns ist klar: Dies geschah und geschieht auch in den katholischen Jugendverbänden – im BDKJ. Das wissen wir nicht zuletzt auch durch die Ergebnisse der „Vorstudie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den Jugendverbänden und Strukturen des BDKJ“. Es erschüttert uns zutiefst und beschämt uns, dass Menschen in unseren Strukturen, in unseren Gruppen und Angeboten, Gewalt erleiden mussten und müssen. Ein Ort, der jungen Menschen Schutz bieten sollte, wurde stattdessen zum Tatort.

Uns ist bewusst, dass es weitere Formen der Gewalt gibt, auch in der Jugendverbandsarbeit. Die Studie bezieht sich auf sexualisierte Gewalt gegenüber Minderjährigen (und Schutzbefohlenen). Geistlicher Missbrauch, psychische Gewalt und physische Gewalt sowie sexualisierte Gewalt gegenüber erwachsenen Menschen sind nicht Teil des Studiendesigns aber dennoch ein Teil des strukturellen Problems.

Auch die Jugendverbände selbst nehmen daher Aufarbeitung sehr ernst und gehen diese an. Auf Bundesebene des BDKJ gibt es dazu eine deutliche Beschlusslage für eine bundesweite Aufarbeitungsstudie und ein klares Konzept. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen, damit die Forschung im Sommer starten kann.

Wer mehr erfahren möchte, kann bis dahin gerne in die Handreichung zum Aufarbeitungsprozess schauen.

Präventionsarbeit in den Jugendverbänden des BDKJ

Factsheet Prävention sexualisierter Gewalt in der katholischen Jugendverbandsarbeit im Erzbistum Paderborn

Prävention in den Jugendverbänden:

Dunkelfeldinitiative

Es gibt noch immer viele Menschen, die im Stillen leiden. Die Gewalt und Missbrauch erfahren haben und noch keinen Weg gefunden haben, dies ans Licht zu bringen. Um diesen Menschen ein Angebot zu machen, gibt es die Dunkelfeldinitiative des Erzbistums. Es soll Licht ins Dunkel kommen. Die Stimmen sollen gehört werden.

Weitere Informationen

Unterstützungsangebote

Sobald die Hotlines des Erzbistums veröffentlicht werden, vermerken wir sie auch hier.

Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche

Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte können sich an eine Beratungsstelle in ihrer Nähe wenden oder auch auch eine Online-Beratung in Anspruch nehmen. In beiden Fällen werden die Anfragen auch anonym behandelt

www.caritas.de

 

Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erzbistum Paderborn

Telefonseelsorge

Zum Reden: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Zum Mailen oder Chatten: www.telefonseelsorge.de

 

Nummer gegen Kummer

Kinder- und Jugendtelefon: 0800 116111

Elterntelefon: 0800 1110550

 

Wildwasser

Hilfe für von sexuellem Missbrauch Betroffene, Angehörige, Freundinnen und Freunde

Telefonische Anlaufstelle

Telefonische Anlaufstelle des unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in fachlicher Verantwortung von N.I.N.A. e. V: Tel. 0800 225 5530

Im Hilfeportal des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs finden Sie zusätzlich Beratungsstellen in Ihrer Region:

www.hilfeportal-missbrauch.de

Von Betroffenen für Betroffene: Seit Februar 2022 gibt es im Erzbistum Paderborn eine Betroffenenvertretung, die sich als eingetragener Verein organisiert hat. Sie bietet einen Schutzraum, in dem Sie sich mit anderen, ebenfalls von sexuellem Missbrauch in der Kirche betroffenen Personen austauschen und sich organisieren können. Die Betroffenenvertretung ist unabhängig und selbstverwaltet. Sie schenkt Ihnen Gehör und verleiht Ihrem Anliegen eine Stimme.

Es gibt weitere Gewaltformen. Diese sind nicht Teil des aktuellen Studiendesigns im Erzbistum Paderborn. Sollten Sie von Formen betroffen sein, suchen Sie sich Hilfe z.B. unter folgenden Stellen:

  • Geistlichem Missbrauch: Hier gibt es Infos und Beratungsmöglichkeiten im Erzbistum Paderborn.
  • Digitale Gewalt: Weitere Infos hier und Hilfemöglichkeit finden Sie hier. Wir empfehlen auch die Seite HateAid. Menschen, die von Cyberstalking betroffen sind, können sich hier melden.
  • Unterstützung bei familiärer Gewalt, Zwangsheirat und Verschleppung kann papatya helfen.
  • Hilfetelefon für Beratung und Hilfe für Frauen, in dem auch Themen wie Genitalverstümmelung, Menschenhandel und Gewalt an Frauen beraten werden: 116016 Weitere Infos hier: Startseite: Hilfetelefon
  • Unterstützung von Kriminalität betroffener Meschen: Hilfe finden Sie beim Weißen Ring.
  • Kein Täter werden! Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ bietet ein an allen Standorten kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern. www.kein-taeter-werden.de

Wir hören gerne zu

Diese Veröffentlichung ist ein weiterer Schritt der schmerzhaften, aber notwendigen Aufarbeitung in unserer Kirche. Sie konfrontiert uns mit Schuld, Versagen, Frust und Leid, aber auch mit der Verantwortung, hinzusehen, zuzuhören und solidarisch an der Seite der Betroffenen zu stehen. Wir bieten Menschen in der Jugendverbandsarbeit unser Ohr an, gerne hören wir zu, wenn Frust, Wut, Scham, Unverständnis einen Ort suchen. Wendet euch gerne an Seelsorger*innen in eurem Verband oder explizit an

  • Helena Schmidt (BDKJ-Diözesansseelsorgerin) 01520 2912138
    •  (gerne auch Termin absprechen per Signal: 01520 2912138)
    • Donnerstag 12.03., Freitag 13.03.; Samstag 14.03.; Sonntag 15.03.  erreichbar.
  • Anna Kleine (Referentin Jugendpastoral BDKJ) 0176 60475459
    • gerne auch Termin absprechen per Signal: 0176 60475459
    • Donnerstag 12.03., Freitag 13.03. und Dienstag 17.03. erreichbar
  • Paul Schroeter (Geistliche Leitung der KjG) 0176 36321053
    • gerne auch Termin absprechen per Signal: 0176 36321053
    • Montags 16.03. erreichbar
  • Sven Bökenheide (Geistliche Leitung der Kolpingjugend)

Anonyme Rückmeldemöglichkeit

Wenn du oder Sie dem BDKJ eine anonyme Rückmeldung geben möchten, ist das hier möglich. Bitte beachte/ beachten Sie, dass der BDKJ weder für das Forschungsdesign noch die Studie zuständig ist. Der BDKJ ist der Dachverband der Jugendverbände und ist daran interessiert die Jugendverbandsarbeit zu unterstützen, sicher zu gestalten und stets zu optimieren.

Hier können anonyme Rückmeldungen geben werden:

 

Die Nachrichten können vom BDKJ-Vorstand gelesen werden. Falls du oder Sie eine Antwort erhalten möchten, gerne an praevention@bdkj-paderborn.de wenden oder die Ansprechpersonen oben beachten.

Ansprechpersonen

© Mareike Rustemeier / Fotografie lebendig

Lena Topp

Diözesanvorsitzende

Für Fragen zur Präventionsarbeit in den kath. Jugendverbänden.

© BDKJ DV Paderborn / Sarah Kaiser

Tabitha Garrell

Referat für Präventionsfragen / Referat für Jugendpolitik

Für Fragen zur Präventionsarbeit in den kath. Jugendverbänden.

© Mareike Rustemeier / Fotografie lebendig

Helena Schmidt

BDKJ-Diözesanseelsorgerin

Für seelsorgliche Gesprächsangebote und kirchenpolitische Anfragen.

© BDKJ DV Paderborn / Sarah Kaiser

Anna-Sophia Kleine

Referentin für Jugendpastoral

Für seelsorgliche Gesprächsangebote und kirchenpolitische Anfragen.

© Mareike Rustemeier / Fotografie lebendig

Jan Hilkenbach

Diözesanvorsitzender

Für Presseanfragen.

Kinder stärken, Kinder schützen

Was tun, wenn Kinder fragen, was sexueller Missbrauch ist. Eine Herangehensweise gibt es hier: wie-kann-ich-mit-kindern-ueber-sexuelle-gewalt-sprechen-heft-4-data.pdf

Einen Trickfilm gibt es hier: Sexueller Missbrauch – Infos für Kids | Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch

Eine Präventionsseite für Kinder gibt es auch hier: https://grenzenzeigen.de/

Unter anderem bietet Unicef Ideen, wie mit Kindern zu Kinderrechten gearbeitet werden kann: Kinderrechte in Deutschland & weltweit | UNICEF

Mit meinem Gott überspringe ich Mauern (Psalm 18,30)

Diese Veröffentlichung ist ein weiterer Schritt der schmerzhaften, aber notwendigen Aufarbeitung in unserer Kirche. Sie konfrontiert uns mit Schuld, Versagen und Leid, aber auch mit der Verantwortung, hinzusehen, zuzuhören und solidarisch an der Seite der Betroffenen zu stehen. All diese Themen finden wir in der Bibel und in vielen Gebeten. Vor Gott dürfen wir alle Gefühle, alles Leid, alle Fragen und all unser Unverständnis legen. Dazu haben wir euch ein paar Angebote für das eigene Gebet zur Verfügung gestellt.

Ein Text von Annette Jantzen zum 30. Sonntag im Jahreskreis A // Zu den Aachener Veröffentlichungen und zur 1.Lesung (2023)

Du bist aber noch spät am Handy, sagt Gott. Das ist nicht so gesund, weißt du, oder?
Ja, sag ich. Aber ich versuche, besser zu verstehen, was da gerade passiert.
Ich bezweifle, dass du heute Abend mit Klicken und Lesen noch viel weiter kommst, sagt Gott.
Ach, Gott, sag ich und lege das Handy beiseite.
Wir schweigen eine Weile.
Ja?, fragt Gott schließlich.
Der war bei uns ein Heiliger, sag ich. Der spätere Weihbischof. Der hat mich getauft. Und jetzt ist er bei den mutmaßlichen Tätern, und zwar ganz weit vorne.
Ich weiß, sagt Gott.
Du hast gewusst, was er tat, und du warst bei meiner Taufe dabei, sag ich. Das ist echt schwer zu verpacken.
Ja, sagt Gott. Das ist eigentlich immer so bei diesen Sachen.
Ich habe mit einer Frau gesprochen, die hat einer von den 53 getraut, sag ich. Die hat so geweint.
Gott schweigt.
Das hat mir so leid getan, sag ich. Das kann man nicht wieder gutmachen.
Und jetzt stell dir noch die direkt Betroffenen vor, sagt Gott.
Manche von meinen Leuten können das nicht glauben, sag ich. Die, die jetzt mutmaßliche Täter sind, die sollten uns eigentlich von dir erzählen. Dich spürbar machen. Manche haben das so überzeugend gemacht, dass Leute das jetzt nicht übereinander kriegen.
Das ist ja auch schwer, sagt Gott.
War das dann alles gelogen, was sie von dir erzählt haben?, frag ich.
Ich glaube halt, so einfach ist es nicht, sagt Gott.
Du wolltest, dass wir wissen, dass du da bist, sag ich. Darum die Worte und die Zeichen.
Ja, sagt Gott. Aber es sind eben Menschen, verstehst du? Alle Menschen haben dunkle Seiten.
Aber sowas, sag ich, sowas machen nicht alle! Echt mal.
Das stimmt, sagt Gott.
Und deine Kirche hat sie machen lassen, sag ich. Ermöglichungsstrukturen, und so.
Das stimmt auch, sagt Gott.
Und von den Frauen heißt es, in unseren Worten und Zeichen könnte man dich nicht erkennen, sag ich. Und die, bei denen man das angeblich kann, von denen sind neun von 100 Täter geworden. Fast zehn Prozent! Und das sind vermutlich noch nichtmal alle.
Gott schweigt.
Manchmal frag ich mich, welche dunklen Seiten du wohl hast, sag ich nach einer Weile.
Gott schaut mich an.
Du hast auch die Gewalttäter mit deinem Atem ins Leben gerufen, sag ich. Und dann hast du zugelassen, dass du mit deinen Zeichen durch ihre Hände sprichst. Ich kann das kaum zu Ende denken.
Zu Ende gedacht wird es nicht leichter, sagt Gott. Aber wegen der Betroffenen, ja? Nicht meinetwegen. Ich komm schon irgendwie klar.
Ich weiß nicht, ob ich auf Dauer damit klarkomme, sag ich.
Ach Herzchen, sagt Gott.
In der Bibel steht, dass du du die Schreie der Witwen und der Waisen hörst, und dass an denen, die sie ins Elend stürzen, Vergeltung übst, sag ich.
Ja, sagt Gott.
Das wäre wenigstens etwas, sag ich.
Gott seufzt.
Wie kriegen wir das denn bloß noch rund, frag ich.
Manches kriegt man nicht mehr rund, sagt Gott.
Du musst so viele Schreie hören, sag ich.
Und die, die nicht mehr schreien können, die hör ich auch, sagt Gott.
Wir schweigen.
Kann ich noch was für dich tun?, fragt Gott.
Ich seh das Ende nicht, sag ich.
Das Ende liegt in meiner Hand, sagt Gott. Versprochen. Und bis dahin?
Zerbrich unsere Hoffnung nicht, sage ich leise.
Nein, sagt Gott. Das mach ich nicht. Hoffe ich.
Dann hab es mal gut, sag ich. Und lass von dir hören, ja?
Ja, sagt Gott. Bis bald mal wieder. Und Amen.

Copyright Annette Jantzen: 30. Sonntag im Jahreskreis A // Zu den Aachener Veröffentlichungen und zur 1. Lesung | Gotteswort, weiblich

Hiobs Ringen mit Gott

Viele Menschen sind heute von der Kirche enttäuscht. Sie fühlen sich verletzt, nicht ernst genommen oder alleingelassen. Das Buch Hiob zeigt uns, dass wir mit solchen Gefühlen nicht alleine sind – und dass wir sie vor Gott bringen dürfen.

Hiob verschweigt sein Leid nicht. Er tut nicht so, als wäre alles in Ordnung. Er unterdrückt weder seinen Schmerz noch seine Wut. Stattdessen bringt er alles vor Gott: seine Fragen, seine Klagen, seine Enttäuschung. Er ringt mit Gott – und genau darin bleibt er im Glauben verbunden.

Hiob weiß: Gott ist nicht nur mächtig, sondern auch barmherzig und liebevoll. Deshalb kann er ihm selbst in tiefster Not vertrauen. Auch wenn vieles unverständlich bleibt, hält Hiob an Gott fest – nicht an einem perfekten Bild, sondern an einem Gott, der ihn trägt.

Der Glaube beantwortet nicht alle Fragen nach dem Leid. Auch Jesus hat das Leid nicht einfach erklärt, sondern selbst durchlitten. Durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung gibt er uns Hoffnung: Gott verlässt uns nicht, selbst wenn Menschen und Strukturen versagen. In ihm liegt die Zusage, dass Leid und Unrecht nicht das letzte Wort haben (Offenbarung 21,4).

Hiobs Weg ist geprägt von Höhen und Tiefen. Er verflucht den Tag seiner Geburt, klagt Gott an und zweifelt. Doch immer wieder findet er zurück zur Hoffnung. Schließlich bekennt er: „Mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25). Nicht alle Fragen sind gelöst – aber sein Vertrauen ist neu gewachsen.

Das Buch Hiob zeigt uns: Wir dürfen Gott alles sagen. Unsere Wut, unseren Frust, unsere Enttäuschung über die Kirche, unseren Schmerz. Nichts davon ist ihm zu viel. Echter Glaube bedeutet nicht, immer stark zu sein – sondern ehrlich zu bleiben.

Gerade wer von der Kirche enttäuscht wurde, darf wissen: Gott ist größer als menschliches Versagen. Er hört zu. Er bleibt. Und er geht den Weg mit uns – auch durch Zweifel und Dunkelheit hindurch.

Anleitung für zuhause:

  • Ließ dir den Gedanken zur Person Hiob durch. Wenn du magst, schau auch in die Bibel ins Buch Hiob.
  • Sammle erst alle Gefühle, die du gerade fühlst. Wie geht es dir?
  • Schreibe auf oder spreche laut alle Gedanken aus, die dich bewegen, die dich nerven. Alles darfst du vor Gott benennen, alle Wut, aller Zweifel, aller Hass und Zorn.
  • Halte eine Minute Stille, um nachzuspüren.
  • Formuliere nun einen Gedanken, der dir in deinem Leben Hoffnung gibt. Oder etwas, das dich froh macht. Notiere einen Satz, den du noch drei Mal laut vorliest.
  • Bete abschließend ein Gebet. Hier ist ein Vorschlag. Pass es gerne nach deinen Belieben an.

Gott,
manches in meinem Leben hat mich müde gemacht.
Manches in deiner Kirche hat mich verletzt und enttäuscht.
Oft verstehe ich nicht, warum Dinge so gekommen sind,
wie sie gekommen sind.

Du siehst meinen Schmerz,
meine Wut, meine offenen Fragen.
Manchmal weiß ich nicht, wie ich weiter glauben soll.
Manchmal fühlt es sich an, als wärst du weit weg.

Aber wie Hiob bringe ich dir alles, was in mir ist.
Ich verstecke nichts vor dir.
Ich lege dir meinen Frust, meine Enttäuschung
und meine Sehnsucht nach Heilung hin.

Hilf mir, dir neu zu vertrauen,
auch wenn ich noch keine Antworten habe.
Zeig mir, dass du größer bist als menschliches Versagen
und stärker als meine Zweifel.

Jesus Christus,
du hast Leid und Ablehnung selbst erfahren.
Du weißt, wie sich Einsamkeit anfühlt.
Bleib bei mir, wenn mein Glaube schwach wird.

Schenke mir Geduld,
neue Hoffnung
und ein offenes Herz für deinen Weg mit mir.
Lass mich spüren: Ich bin nicht allein.

Denn ich glaube:
Mein Erlöser lebt.
Und du gehst mit mir – heute und alle Tage. Amen.

Gebet

Gott, du Freund des Lebens. Du bist allen nahe, die bedrängt sind und leiden.

Wir denken heute besonders an die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten und müssen – auch in deiner Kirche. Wir klagen vor dir über die Gewalt, die Täter ihren Opfern an Leib und Seele antun, über zerstörtes Leben, das oft niemand wieder gut machen kann.

Du unser Gott, höre unsere Klage. Wir bekennen vor dir das Wegschauen, Schweigen und Nichtstun derer, die die Taten geahnt haben und ahnen.

Du unser Gott, höre unsere Klage. Wir wollen darauf achten, was viele nicht sehen wollen: sexuelle Übergriffe und den Missbrauch von Vertrauen und Macht.

Du unser Gott, steh uns bei. Wir wollen hören auf die Geschichten der Opfer. Wir wollen Anteil nehmen an ihrem Schmerz und ihrer Einsamkeit.

Du unser Gott, steh uns bei. Wir wollen sprechen von der Verantwortung, die jeder von uns trägt. Wir wollen sprechen über Hilfe und Auswege aus der Not.

Du unser Gott, gib uns Kraft und Mut. Wir wollen schweigen, wo Erklärungen und Ratschläge nicht angebracht sind.

Du unser Gott, gib uns Kraft und Mut. Wir wollen uns freuen über die Stärke und Kraft der Betroffenen, über die Solidarität derer, die sie begleiten, über alle Menschen, die mitarbeiten, um einen besseren Schutz zu verwirklichen.

Du unser Gott, mach unsere Hoffnung stark. Wir wollen hoffen auf Aufbrüche und neues Leben schon in dieser Welt, auf die Umkehr der schuldig Gewordenen, auf deine Gerechtigkeit heute und am Ende der Zeiten, auf Heilung aller Wunden, die allein du schenken kannst.

Du unser Gott, mach unsere Hoffnung stark. Lebendiger Gott, sende uns deinen Geist und sei mit uns auf diesem Weg, durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Amen.

Hinweise: Text: Sabine Hesse, Präventionsbeauftragte des Bistums Rottenburg-Stuttgart Der Vorschlag für das Gebet hat der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegen; es widerspricht nicht den liturgischen Vorschriften.

Copyright: 08-Gebetstag_fuer-Betroffene-sex-Missbrauchs-Gebet-von-Sabine-Hesse.pdf

  1. Einen Psalm auswählen
    Wähle einen Psalm, der zu deiner aktuellen Stimmung oder Situation passt (z. B. Dank, Klage, Bitte, Vertrauen).
  2. Zur Ruhe kommen
    Nimm dir einen Moment Zeit, atme ruhig und werde innerlich still.
  3. Den Psalm langsam lesen
    Lies den Psalm aufmerksam, am besten laut oder halblaut. Achte darauf, welche Worte dich besonders berühren.
  4. Worte auf dich beziehen
    Mache die Worte des Psalms zu deinen eigenen. Wo nötig, ersetze sie innerlich durch deine persönlichen Anliegen.
  5. Im Gebet antworten
    Sprich nach dem Lesen frei mit Gott: über das, was dich bewegt, freut oder belastet.
  6. In der Stille verweilen
    Bleibe einen Moment still und lasse das Gelesene nachwirken.
  7. Mit Dank abschließen
    Beende dein Gebet mit einem kurzen Dank oder einem eigenen Segenswort

 

Vorschläge für Psalmen.
Ihr könnt sie in unterschiedlichen Wortlauten auf dem Bibelserver nachlesen. Wie hier den Psalm 55:  Psalm 55 | Hoffnung für alle :: ERF Bibleserver

Ps 55 Klage eines Alleingelassenen

Ps 56 Klage über die Wortverdreher und Frevler

Ps 58 Klage über die, deren Hände dem Unrecht den Weg bahnen

Ps 59 Klage über die Verfolgung

Ps 64 Bitte um Schutz vor den Verfolgern des Schuldlosen

Ps 69 Klage über das Gerede der Leute

Ps 120 Bitte um Hilfe gegen die Verleumder

Ps 140 Bitte um Strafe für den Gewalttäter

Ps 142 Klage über das Fehlen einer Zuflucht

Ps 143 Bitte um Hilfe vor den Feinden Jer 15,15–21 Klage über Gottverlassenheit

Ez 18 Nicht der Unschuldige trägt Schuld

Mt 5,6 Wer nach Gerechtigkeit hungert, soll satt werden

Mt 12,36 Menschen werden Rechenschaft ablegen müsse

Mt 25,31–46 Gott nimmt ernst, wenn der Geringste keine Hilfe findet

Mk 9,33–37 Wer ein Kind aufnimmt, nimmt Jesus auf

2 Sam 22,3 Gott ist wie ein Fels

Ps 36,10 Gott ist wie eine erfrischende Quelle

Sir 34,19 Gott schützt wie ein Dach

Genese zur Aufarbeitung und vorherige Stationen

Im September 2018 wird die „MHG-Studie“ veröffentlicht. Das Forschungsprojekt ist ein Konsortium aus verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen. Dazu gehören das Zentralinstitut für seelische Gesundheit (Mannheim), das Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg, das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg und die Professur für Kriminologie, Jugendrecht und Strafvollzug an der Universität Gießen. In der Kurzform „MHG-Studie“ ist sie benannt nach den Orten der Universitäten des Forschungskonsortiums – M(annheim)-H(eidelberg)-G(ießen) – und trägt den Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“. Weitere Infos hier.

Die Ergebnisse der „MHG-Studie“ sind der Auftakt für den bundesweiten Synodalen Weg, welcher systemische Veränderungen aufdecken und Reformationen anschließen soll, um missbräuliche Strukturen zu verändern. Die Synodalversammlung ist das oberste Organ des Synodalen Weges und fasst die Beschlüsse. Ihr gehören die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, junge Menschen und Einzelpersönlichkeiten an. Insgesamt umfasst die Synodalversammlung 230 Personen. Weitere Infos gibt es hier.

Im Laufe des Synodalen Wegs sind unterschiedliche Texte erarbeitet und Hanldungstexte veröffentlicht worden. Diese sind aus den Schwerpunktthemen

  • „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“;
  • „Priesterliche Existenz heute“;
  • „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“;
  • „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“

Alle Texte und Beschlüssse gibt es hier.  Wir unterstützen den Syndoalen Weg, um eine sichere, eine geschlechtergerechte und glaubwürdige Kirche zu werden.

Das Erzbistum Paderborn lässt in zwei unabhängigen kirchenhistorischen Studien durch die Universität Paderborn den sexuellen Missbrauch Minderjähriger im kirchlichen Kontext wissenschaftlich untersuchen. Die Forschung erstreckt sich über die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941–2002) sowie Hans-Josef Becker (2002–2022). Ziel ist es, das Ausmaß des Missbrauchs, die Erfahrungen der Betroffenen, die Reaktionen kirchlicher Verantwortlicher sowie strukturelle Bedingungen innerhalb der Kirche aufzuarbeiten. Grundlage der Forschung sind umfangreiche Archivanalysen und Zeitzeugeninterviews. Die Studien leisten einen wichtigen Beitrag zur transparenten Aufarbeitung und zur Anerkennung des Leids der Betroffenen.

Die Uni Paderborn legte 2021 erste Ergebnisse vor, die strukturelle und gesellschaftliche Phänomene und Probleme deutlich zeigen. Diese sind gut hier nachzulesen.

Die unabhängige Aufarbeitungskommission in Paderborn hat unmittelbar nach ihrer Gründung im August 2022 empfohlen, auch die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker, also die Jahre 2002 bis2022, in die Forschung einzubeziehen. Der inzwischen emeritierte Erzbischof stimmte dieser Entscheidung zu. Damit wurde das bestehende Projekt nun um ein neues Teilprojekt erweitert. Weitere Infos hier. Die Ergebnisse werden wahrscheinlich 2027 veröffentlicht.

Im Hohen Dom zu Paderborn wird in der Brigidenkapelle ein Ort der Information, des Erinnerns, der Klage – und der Hoffnung eingerichtet. Sitznischen laden zum Verweilen ein, auf dem Altar können Kerzen entzündet werden. as Denk- und Mahnmal soll dafür stehen, dass die Kirche das Versagen von Klerikern und Laien in Bezug auf sexualisierte oder geistliche Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen, Kindern und Abhängigen, sieht, anerkennt, bereut und alle möglichen Maßnahmen ergreifen möchte, damit Missbrauch nicht weiter geschieht. Weitere Infos zum Künstler und wie das Mahnmal aussehen wird, gibt es hier.

Aktuelle Informationen Erzbistum Paderborn

Auf der Homepage des Erzbistums sind regelmäßig aktuelle Informationen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zu finden.